Wer kennt nicht die Aussage: Boah ey dat is' aber 'n richtiger Heavy-
Amp..... nee, nee das ist nix für mich. Klar, im Verstärkerbereich gibt's
gewaltige Unterschiede, aber wie diese Unterschiede interpretiert wer-
den, ist schon manchmal der Wahnsinn in Tüten.
Rein technisch gesehen hat unser Lieblings-Radaumacher - ich verall-
gemeinere hier mal und gehe von einem Röhrenamp aus - ein Schal-
tungskonzept aus der Vorkriegsära. Da gibt's auch schon seit langem
nix mehr dran zu verbessern - die Möglichkeiten sind ausgereizt.
Wenn ich nun einen Amp konstruieren will, greife ich also IMMER auf
Bewährtes zurück und modifiziere hier und dort einige Bauteilewerte.
Es klingt also neu und frisch? Trotz altem Schaltungskonzept? Hm!

Lasst uns mal die" Heavy-Amp" Aussage weiter verfolgen: Eine Ami-
Verstärkerschmiede fertigt einen Amp, der seit der "Erfindung" des NU-
Metal einen Siegeszug ohnegleichen angetreten hat. Die Spezialität
dieses Amps ist jedoch die wahlweise Verwendung einer Röhrengleich-
richtung, als auch die modernere Variante, die Halbleitergleichrichtung -
Sie gab dem beindruckenden Krawallmacher auch den Namen.
Die Röhrengleichrichtung soll für einen wärmeren, vintagemässigeren
Ton sorgen und wird, wie auch zu vermuten, bei Metallern gar nicht
benutzt! Das ganze Schaltungskonzept beruht hierbei auf einem heiss
gemachten Amp britischer Herkunft, den alle sooo lieben.
Wie? JCM made in Amerika? Mit 6L6's in der Endstufe? Fast!!
Klar, hier wurde getrickst, die Gegenkopplung wurde auf Punch ge-
trimmt und es kamen grössere Trafos zum Einsatz, aber......

Vor kurzem sah ich Bernard Allison, ein amerikanischer Funk-Blueser
dunkler Hautfarbe, mit so 'nem Ding auf der Bühne - und der spielte mit
seiner Strat keinen NU-Metal!
Aber wer ist denn jetzt eigentlich der Rock-Amp, der Blues-Amp, der
Clean-Amp, der Metal-Amp? - Gar keiner!
Wage ich jedenfalls einfach mal so zu behaupten.
Na ja, 'nen Fender Champ wird wohl keiner in Betracht ziehen um ein
hartes Brett zu fahren, aber im Studio, clean, oder leicht angezerrt,
passt's dann vieleicht doch wieder in einen baladesken Teil dieses
Genres.

Fest steht, dass der Musiker hier eigenlich nach seinem Geschmack
schmack entscheiden sollte, welchen Amp er für sich und SEINEN
Sound benötigt und sich nicht durch Laien-, Medien- und Hersteller-
gewäsch beinflussen lassen sollte.

So, ich zieh denn jetzt mal los und hol mir 'nen 1960er Vox AC30 und
spül' mir damit mal meine Gehörgänge ;-)


P.S.: Ich oute mich jetzt mal als bekennender Hardrocker und würde
NATÜRLICH nie, niemals nie und nochmals NIE, auch nur mit dem Ge-
danken spielen über einen AC30 zu braten - nix da, mega uncool das!!