Alt muss sie sein und eingespielt, der Lack in Ehrfurcht ergraut, abge-
schrammelt und zerditscht.
Ja, original VINTAGE und SOOOO schön.
Wahrlich, die namhaften Instrumentenhersteller aus Übersee bewiesen
mystische Handwerkskunst in den frühen Jahren ihrer Firmengeschichte.
Früher war also alles besser?!
Oder wurde damals noch mit einer anderen Messlatte gemessen?

Fest steht, dass ein gewisser Herr L.F. ,aus dem sonnigen Californien,
einer der Ersten war, die mit der profitorientierten Fertigung der heute
so heiss und innig geliebten Vintageschätzchen begann.
Baukastenprinzip, Rohholzbeschaffung nach Preiskriterien,Vereinfach-
ung der Produktion durch maschinelle Fertigungsprozesse.
Betriebswirschaftliches Denken hielt Einzug in einem früher ganz und
gar der Handwerkskunst zugeordnetem Gewerbe. - Oh! -
Bloss schödes Profitdenken schenkte uns diese grandiosen Mysterien
der Klangkultur?
In erster Linie bestimmte Konkurenzdenken das Geschäftsgebaren der
"hauptamtlichen" Gitarrenmanufakturen, drüben, über'm grossen Teich.
Also keine übernatürliche Kunst in der Herstellung?

Klar, früher kam man noch leichter an gewisse Materialien für den klas-
sischen Gitarrenbau heran ,Hondurasmahagoni z.B. für Paulas, Rio-
palisander für die Griffbretter. Aber...Plastik bleibt Plastik bleibt Plastik!
Und - um für ein kürzlich, bei unserem allseits beliebten Web-Auktions-
haus erspähten Humbucker-Rahmen einer alten Paula mal gerade ein
paar Tausender klar zu machen, sollte doch eigentlich zur Erhöhung
der Denkprozess-Leistung führen. Die original-gealterten, verschrunzten
Befestigungsschrauben gab's übrigens, für ein paar Hunderter extra,
fast geschenkt dazu!

Auch klar ist, solch ein Überhype-Getue auf dem Vintage-Markt wird
GEMACHT und steht in keinster Weise zur Relation des jeweiligen Ge-
brauchswertes eines Instruments, oder auch eines Verstärkers.
Es führt in letzter Zeit sogar verschärft dazu, weniger betuchten Bürgern
das Vintage-Feeling auch mit in Fernost veralterten Instrumenten zu
vermitteln.

Ich weiss nicht wie die asiatische Kultur mit einer westlichen Art von
Vintageverständniss konform geht - was dabei herauskommt ist aller-
dings häufig mehr als nur kurios.

Aber wir konnen uns ja auch mit Einzelteilen eindecken, die unser
heiss geliebtes Schätzchen so richtig auf Vintage-Vordermann bringen.
Die Frage ist hier aber auch wieder: Was verbaue ich auf meine Süsse?
Messing-Tailpiece, oder lieber flockig-leicht-schmatzend-klingendes aus
Aluminium, die Befestigungsschrauben mit einer Nickel-Obsidian-Poly-
Molybdän gebadeten Oberfläche, oder lieber die harte Tour und das
Ganze aus eisgehärtetem V4A-Stahl mit Diamanteinschlüssen?
Wahr ist: Stelle ich jemanden zwei Gitarren gleicher Bauart hin, die mit
unterschiedlichen Brücken versehen sind, gibt's die heissesten Sound-
wahrnehmungsdeutungen die man sich vorsatellen kann.
Aber früher hat man doch auch dieses Material...........
Ja hat man! Und das war und ist auch okay. Aber schraube ich mir nur
was auf die Gitte, weil's früher so war und gut klang, oder weil mir ge-
sagt wird das das jetzt vintage ist und so klingt wie's früher einmal war?
Und vieleicht gibt's ja mittlerweile neuere, innovativere Gerätschaften die
viel besser tönen als der ganze alte (altgemachte) Kram.Die Leute wol-
len es aber anscheinend gesagt bekommen was "gut" ist, ihr eigenes
Urteil zu fällen führt in den meisten Fällen schon fast an die Grenzen
des Machbaren.

Eine in Würde gealterte Paula, Strat, Tele ist geil! Da gibt's keine Deu-
teleien - wenn sie denn klingt und passabel bespielbar ist.
Wenn ich aber bei einem teuer erstandenen alten Schätzchen noch
nicht eimal mehr die total heruntergespielten Bundstäbchen erneuern
darf, um den damit drohenden Wertverlust zu vermeiden, habe ich, so
glaube ich zumindest, irgendwas nicht richtig gemacht.



.............denn ich wollte doch eigentlich nur Gitarre spielen...........!!!