"Fuzzpedals und Distortion-Tretminen kann man nicht genug haben."
Diese Aussage habe ich kürzlich auf irgendeiner Webseite gelesen.
Als experimentierfreudiges Musikerlein wohl auch eine sinnvolle Äus-
serung. Das Sammeln solcher Gerätschaften zum Verbessern unzu-
länglicher Verstärker- und Boxenqualitäten, wohl eher eine umstrittene
Angelegenheit.
Neulich: Ich hab' mir jetzt 'nen Metalzone vor meinen 15Watt Marshall
gehängt - das klingt jetzt aber immer noch nicht nach 'nem Engl!?
Kommentar überflüssig! Oder?
Was passiert denn, wenn ich so'n Tretapparat jetzt mal wirklich vor so
ein Gainmonster klemme? Als experimentierfreudiger Mensch würde
ich mich da jetzt bestimmt über einige schöne Sachen freuen: Quiiiek!
Aber wollen die meisten denn experimentieren?
Nö, die wollen DEN Sound - und wenn's geht, aus 'ner Blechbüchse den
Druck eines voll aufgerissenen Fullstacks.

Andere Baustelle: Gitarrist hat seine sündteuere 62er Strat auch noch
mit sauteuren Tonabnehmern des Deutschen Ober-Strat-PU-Herstellers
ausgerüstet - das Teil ist jetzt eine Offenbarung in Sachen Sound - und
jetzt wird das Ding durch 'ne Tretmine gejagt in der ein paar Silizium-
Kleinsignaldioden den Zerrgrad bestimmen und, unbedingtes Muss, ein
antiquierter 4558 Chip den nötigen Output liefert......Au weia!
Kommentar auch überflüssig? Oder doch oder was wie?
TS 808!
Dieses Gerät wird zu gnadenlosen Höchstpreisen gehandelt - und das
verrückte daran ist, dass die Bauteile noch nicht mal 10€ kosten.
Aber es kann was: Die Dynamik des oben genannten Instruments gna-
denlos kaputt machen.

Die "neuste" Methode seinen Sound gründlichst zu ruinieren, wird als
der heilige Gral modernster Modelling-Technologie gepriesen.
Kleinere und grössere Trampelkisten, die als DIE All-In-One Lösung an-
gepriesen werden, teiweise gar mit USB-Schnittstellen ausgerüstet,
oder Konektivität zum Überhype Smartphone aus der Obstesserfabrik
herstellen können, sind das Non Plus Ultra.
Aber abgesehen von einigen wenigen exrtrem teuren 19" Geräten kön-
nen diese Kisten nix anderes als ebenfalls alles zu vermatschen.

Das übelste daran ist, abgesehen von den plattierenden Verzerrungen
welche diese Gerätschaften erzeugen, dass sämmtliche Effekte, die
normalerweise zwischen Vor- und Endstufe eines Instrumentalverstär-
kers gehöhren, nun vor dem Amp hängen.
Der Amp zerrt jetzt auch noch und wir haben einen verzerrten Chorus,
ein verzerrtes Tremolo, ein verzerrtes Delay und einen verzerrten Hall.
Es zerrt also alles auf ganzer Linie.
Klemme ich so'n Ding jetzt vor einen richtig gediegenen Amp, mache
Ich alles kaputt was geht.
Neulich: Ich muss auch mal was anderes an Sounds anbieten können,
deshalb hab' ich jetzt so' ne Multitretleiste vor meinem JCM gehängt.
W A S bitte hat Er gemacht??
Klarer Fall: Er hat keinen Mut sich einen neuen Amp zu kaufen, der
Ihm die Eierlegendewollmilchsau macht und/oder zuviel Werbung ge-
lesen!

Ein Amp der gut klingt, einem die Verzerrung liefert die man gut findet,
ist die Grundvoraussetztung für seinen Sound. Davor geschaltet höchs-
tens ein Wah-Wah Pedal, in den Einschleifweg ein guter Signalprozes-
sor, das ist "eigentlich" alles was man braucht.
Wer experimentieren will darf's natürlich auf die Spitze treiben und alles
kreuz und quer verkabeln, aber er sollte es dann auch beherrschen und
wissen was er tut.